50-jähriges Jubiläum 2017- Ansprache unseres Ehrenmitglieds Ute Reinl

Liebe Vereinskameradinnen- und Kameraden

liebe Freunde,

liebe Gäste,

vereehrte Vertreter der Öffentlichkeit,

es ist für mich eine große Ehre, dass mich die Vorstandschaft bat hier ein paar Worte zu sagen.

Ja, wie kam ich von Villingen nach Moos?

Wir, mein Ehegatte und ich waren junge Leute. Er hatte ein Schlauchboot am Bodensee und einen Traum: „nämlich ein Segelboot.“

Es war damals recht einfach einen Liegeplatz zu bekommen.

Die Mooser Maurus-Werft verkaufte uns ein Segelboot mit Liegeplatz.

So kamen wir zu einem Corsaire und einer Boje im Mooser Bojenfeld.

Geld für ein Beiboot hatten wir nicht, da gab es nur eins für den Mann, Badehose anziehen zum Boot schwimmen und am Steeg die Frau abholen.

Herr Maurus schickte uns dann gleich im Sommer 1968 zu der stattfindenden Versammlung des erst kürzlich durch Herrn Günther Kalkowski gegründeten Verein, bei der ich gleich im Herbst gebeten wurde das Protokoll zu schreiben und im folgenden Jahr wurde ich zur Schriftführerin gewählt.

Seit diesen Tagen war und bin ich dem Segelclub Moos eng verbunden.

Ja, sogar hier im Segelclub habe ich mit 71 Jahren noch einmal eine große „Liebe“ gefunden.

Es gab kaum ein Wochenende, an welchem wir nicht in Moos waren, es wurde zu unserer zweiten Heimat, ja sogar zum Mittelpunkt unseres Lebens.

Segeln konnten wir ja überhaupt nicht. Wir nahmen das Boot, Horst, mein Mann stand als stolzer Kapitän an dem Stab, den man später Pinne nannte und sein Bruder meinte, er könne uns helfen, konnte aber auch nicht segeln.

Er hatte so wenig Ahnung wie wir. Was ist „Am Wind, vor dem Wind, halber Wind“ und was ist eine „Halse“

Es blies gleich bei der ersten Ausfahrt heftig.

Wie wir das gemeistert haben ist mir heute noch ein Rätsel.

Kurz darauf kam dann am Bodensee die Vorschrift von den Behörden: „ Es dürfen nur noch Kapitäne mit dem vom „Deutschen Seglerverband“ ausgestellten A-Scheinen segeln, oder, wenn das Boot weniger als 11 qm Segelfläche und der Motor unter 6 PS hat.

Wir hatten alle plötzlich ein Problem, was nun. Da waren Segler wie ein Herr Gerhard Mier, ein Herr Ludwig Gramlich und ein Kurt Leiber, die schon ein Leben lang segelten.

Kurt Leiber erwarb den A-Schein und durfte dann A-Schein-Kurse abhalten, bei dem dann die meisten den A-Schein 1970 erwarben.

Die Nachfrage nach A-Scheinen war groß und nach 1972 begann unser damals neues Mitglied Bruno Schwehr mit der Schulung für A-Scheine und gab dann sogar einen BR-Schein-Kurs für einige Mitglieder des SCMB.

Die Behörden lassen sich ja immer wieder etwas einfallen und nun kam das Bodensee-Schifferpatent.

Der Bodensee-Seglerverband kämpfte gemeinsam mit uns Seglern darum, dass die, die schon länger auf dem See segelten ihr Patent einfach umgeschrieben bekommen. Denn diese Leute konnten sicherlich besser segeln als so mancher Prüfer des Landratsamts.

Der Bruder des Vereinsgründers Arno Kalkowski nahm uns unter seine Fittiche und begleitete unsere Segelei die ersten 2 Jahre. Er war ein richtiger Seemann, er fuhr zur See und war Smutje.

Herr Günther Kalkowski war der Gründer dieses Vereins. Er hat die erste Aufbauleistung erbracht.

Dann übernahm Herr Dr. Kloos für kurze Zeit das Ruder bis er von Herrn Lohner, Singen für ein Jahr abgelöst wurde.

Im Mai 1971 übernahm dann Ludwig Gramlich offiziell, und Horst Reinl leitete die Geschicke des Vereins bereits als 2. Vorsitzender.

Die ersten Lebensjahre des SCMB waren keine leichte Zeit. Obwohl der Hafenbau durch die Gemeinde bevorstand und eigentlich ein großes Ziel in greifbarer Nähe war (oder gerade deshalb) zogen dunkle Gewitterwolken auf und der Verein drohte zu zerfallen.

Nach dem Motto, Einigkeit macht stark, rückten einige Mitglieder mit viel Einsatzbereitschaft zusammen.

Unsere Hafeneinweihung 1971 war ein unvergesslicher Erfolg.

Die Generalprobe des Konstanzer Seenachtsfestes fand bei uns in Moos statt.

Wir Mitglieder waren total überfordert. Wir hatten nicht mit einem solchen Ansturm an Gästen gerechnet.

Wir setzten an 3 Tagen so viel Bier um, wie eine kleine bis mittlere Gaststätte im ganzen Jahr.

In Moos gab es in keiner Familie mehr Brot. Alle Bürger kamen und spendeten den Inhalt ihres Brotkastens.

Den Segelsport haben wir auch nicht vergessen. Internationale Meisterschaften waren unser ganzer Stolz.

Das Fahrtensegeln an den Wochenenden war sehr wichtig.

Wir trafen uns immer wieder auf der Reichenau in Mittelzell mit Freunden vom schweizer Ufer, besonders aus Eschenz. Dort in Mittelzell gab es damals noch keinen Hafen.

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Die Regatten waren schwieriger als heute. Es gab keinen Computer der uns bei der Berechnung half.

Ich kann mich noch daran erinnern, als mich die Herren der Vorstandschaft in einen Bauwagen setzten, einen Computer vor mich stellten und mir Angaben machten, was ich zu tun hätte.

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Ich hatte zuvor in meinem Leben noch keinen Computer gesehen, – aber es klappte –

Die bei der letzten Versammlung festgestellte Mitgliederzahl von 192 zeigt die heutige Beliebtheit des Vereins.

Nachdem nach so vielen ruhigen Vereinsjahren das Wasser vorübergehend etwas stürmischer war ist der See nun wieder ruhig, mit immer ein wenig Briese jedoch keine Flaute.

Was ereignete sich sonst 1967, als unser Verein gegründet wurde:

Sie werden es fast nicht glauben, solange ist es schon her, dass

es dem südafrikanischen Arzt Christian Barnard gelang die erste Herztransplantation durchzuführen.

In Griechenland übernimmt die Armee durch einen Staatsstreich die Macht. Nach einem gescheiterten Gegenputsch muss König Konstantin mit seiner Familie das Land verlassen.

Israel führt den 3. Krieg gegen seine arabischen Nachbarn, er dauert genau 132 Stunden und endet mit erheblichem Geländegewinn der Israelis.

Dorniers Senkrechtstarter DO 31 startet zum Jungfernflug.

Das Deutsche Fernsehen beginnt mit der Ausstrahlung von Sendungen in Farbe.

Der 6,6 km lange Bernadino-Tunnel in der Schweiz wird eröffnet.

In Schweden wird der Rechtsverkehr eingeführt. Und –

Der Engländer Francis Chichester trifft nach erfolgreicher Erdumsegelung in Plymouth ein.

Ob das alles gut war, weiß ich nicht. Eines weiß ich jedoch sicher, die 9 Segler, die 1967 den Verein im Vereinsregister haben eintragen lassen, haben richtig gehandelt.

Herrn Günther Kalkowski, der diese Geschicke geleitet hat, gebührt unser Dank.

Zwei dieser Gründungsmitglieder leben noch, das ist

Herr Lothar Lohner, Singen und Herr Manfred Tausendfreund, Radolfzell.

Herr Dieter Beske, Herr Herbert Krebs und Herr Bernd Bohl sind dem Verein bereits 1967 beigetreten und heute noch Mitglieder.

Die Freunde Baptist Rundel und Horst Reinl möchte ich besonders erwähnen.

Sie haben beim Skilaufen in Österreich über den Winter jeweils die Pläne für den Segelclub und das kommende Jahr geschmiedet.

Das Wichtigste waren Toiletten, denn wir hatten einen riesigen neuen Hafen und Alten Kanal ca. 200 Wasse-Liegeplätze aber keine Toilette.

So kam es zu unserem Clubhaus.

Der Kran war von Horst Reinl als unsere finanzielle Grundlage gedacht.

Die beiden Freunde haben mit ihren Familien die persönliche Bankbürgschaft für das Clubhaus übernommen.

Ich möchte hier ein paar wenige große Spender für den Verein nennen.

Herr Helmut Eierding hat das komplette Fundament und die Errichtung des Krans gespendet.

Unser Mitglied Arno Schuler hat die Architekturarbeiten und

Bauüberwachung übernommen und gespendet.

Arno Kübler unser Schreiner, hat den kompletten Innenausbau der Küche und vieles Mehr gespendet.

Ein stiller fleißiger Geist war unser Dietrich Beske und seine Hannelore um und im Haus viele Jahre

Den armen Kerl haben wir sogar einmal beim Aufbau eines Festzeltes auf dem obersten Sparren sitzend vergessen. Die übrigen Helfer nahmen die Leiter weg und gingen zum Mittagessen ins Gasthaus Schiff und er musste fast 2 Stunden ausharren, bevor die wieder an ihren Arbeitsplatz kamen.

Dieter, Du hast noch mehr solche Stückchen ertragen müssen, aber immer mit dem nötigen Humor.

Unsere verstorbene langjährige Schriftführerin und ihren Röbbi, sowie den Robert und seine Geli Bernauer möchte ich erwähnen.

Leider kann ich nicht alle fleißigen Hände hier einzeln aufführen, es würde den Abend sprengen.

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Dank an Euch, die neue komplette super Mannschaft.

Danke dafür, dass Ihr den Verein in diese wunderbare leichte Brise geführt habt, gesellig und auch beim Wassersport.

Wir, die Segler brauchen Euch, auch die Motorbootfahrer, das wusste unser Horst Reinl nur zu gut, denn er ging einmal mit voller Montur,

Ölzeug und Gummistiefeln und mit seiner besten Pfeife im Mund bei Sturm hinter der Liebesinsel über Bord (da durfte man früher noch ankern)und musste von einem Motorboot gerettet werden.

An die vielen verstorbenen Mitglieder, die ich alle noch kannte, möchte ich erinnern. und bitte Sie, sich für eine Schweigeminute von Ihren Plätzen zu erheben.


Man sollte die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.

Ein Generationswechsel hat stattgefunden.

Da möchte ich die noch verbliebenen älteren Mitglieder ein wenig ermahnen. Geht auf die jungen Leute zu, sagt Ihnen, dass ihr zur alten Garde gehört.

Es sind alles wunderbare junge Menschen, die jetzt, so wie wir damals ihr Bestes geben.

Mich hat die junge Generation mit offenen Armen aufgenommen und ich freue mich nach Moos zu kommen.

Verehrte Festgäste, ein Dankeschön an all die, die unseren Verein bis hier hin auf dem Lebensweg begleitet und unterstützt haben, seien es Mitglieder, Freunde, Vertreter der Gemeinde oder des Landes, der Verbände oder befreundete Clubs.

Der Erfolg des Vereins wird in der Zukunft nicht zufliegen.

Nehmen wir uns eine Lebensweisheit von Curt Goetz zum Wahlspruch.

„ Man sollte die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.“

Bleiben wir dieser Devise treu, ist mir nicht Bange um den SCMB.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen festlichen Abend.

Ihre Ute Reinl

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